Die Suche nach deinem wahren Ich


Solang ich das, was ich tue, nicht einhundertprozentig bewusst tue/unterlasse, tue ich es, weil ich nicht weiß, wer ich bin.

Das klingt hart. Das ist hart. Aber noch härter ist die Erkenntnis, die dahintersteckt – dass dieses Nichtwissen kein Versehen ist, kein Unglück, keine persönliche Schwäche. Es hat Methode. Es ist gewollt.

Denn würde ich anfangen, ernsthaft darüber nachzudenken, wer ich bin, was ich bin, was ich hier überhaupt mache – welche echte Kraft in mir steckt, welches Potenzial ich all die Zeit schon mit mir herumtrage und nie anrühre – würde ich meine Aufmerksamkeit auf all das lenken, würde die Gesellschaft, so wie sie jetzt ist, nicht weiter existieren. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist schlichte Logik.

Vanlife vor felsiger Landschaft
Leben mit der Natur

Reagieren bis zur Erschöpfung

Wie sollst du erfahren, wer du bist, wenn du vor lauter Reaktionen im Außen gar nicht dazukommst, mal hineinzuhören?

Du musst reagieren auf die Versicherung. Auf die Schule. Auf den Ehemann, die Ehefrau, die Kinder, die Hunde, die Nachbarn. Alle wollen irgendwas von dir – eine Antwort, eine Entscheidung, deine Zeit, deine Energie, dich. Der Chef, die Kollegen, das Finanzamt, die WhatsApp-Gruppe, alle.

Und wenn du dann abends so richtig schön knülle bist – wenn deine Systeme nicht mehr unterscheiden können zwischen gut und böse, zwischen wichtig und unwichtig, zwischen deins und nicht deins – dann, genau dann, machen wir – freilich nur zur entspannung- den Fernseher an. Oder scrollen durch irgendeinen anderen Scheiß. Lassen unsere erschöpften, resignierten Systeme durchträufeln von Inhalten, die nichts anderes tun, als genau dieses System aufrechtzuerhalten, das uns schon den ganzen Tag ausgelaugt hat. Das ist der Moment wo wir jedem x-beliebigen gestatten in unser System einzuwandern, es zu unterwandern es Stück für Stück umzubauen und zu verändern.

Es sickern Werte hinein. Werte, die nur für dieses System Wert haben. Und der eigentliche Wert dahinter – der einzige, der wirklich zählt – lautet: Denk nicht darüber nach, wer du bist. Erkenne dein Potenzial nicht. Denn wenn du erkennen würdest, wer du bist, könnte dein CEO seinen mehrwert oder den der Aktionäre selbst generieren. Er müsste selbst den Mehrwert generieren, den du augenblicklich noch, mit deinem Leben und deiner Gesundheit -und den Ressourcen der Natur- bezahlst.


Das schlafende Schaf

Ich sage das ohne Arroganz – ich war sehr lange auch eins dieser Schafe. Lange. Und ich sage „Schaf“ nicht als Beleidigung, sondern als akkurate Beschreibung eines Zustands: mitgehen, während meinen weiten Teilen die entscheidungshoheit über sein eigenes Leben in unterschiedliche Hände gelegt hat.

Solange du immer nur mitgehst, wird mit dir gemacht was andere für dich ersonnen haben. Das ist nichts Böses an sich, im dramatischen Sinne – es ist einfach das Prinzip eines jedes Systems, das auf Konsum und und ein gewisses Maß an Willenslosigkeit angewiesen ist. Schlafende Schafe konsumieren brav. Schlafende Schafe gehorchen, die Stellen nicht ihre Weichen um morgen da zu sein, wo sie eigentlich -im Sinne ihres eigenen Lebens- hin wollten

Doch wenn du einmal ernsthaft die Frage an dich selber richtest: Wer bin ich, was bin ich, was mache ich hier, wie schaut mein selbst aus? — dann ist es möglicherweise der Beginn einer vielversprechenden und letztendlich erfüllenden Metamorphose.


Hineinhören – die radikalste Geste

Wenn du einfach mal das Radio auslässt, den Fernseher, das Internet. Wenn du in die Natur gehst – in den Wald, auf eine Wiese, irgendwohin, wo es still genug ist – dich hinsetzt und hineinfühlst. Hineinhorchst.

Was passiert wenn du Stille aushältst?

Du würdest verblüfft sein wie laut Stille sein kann! Wie viele Stimmen dir scheinbar innewohnen. Alle plappern gleichzeitig – die konditionierten, die angelernten, die übernommenen, die geerbten, die gesellschaftlich implantierten – und die deine Selbst! Ein ziemliches Chaos, wenn man zum ersten Mal wirklich hinhört.

Doch irgendwo dazwischen – leise, wahrhaftig und präsent – ist da diese eine Stimme. Die ist weiß Gott nicht laut – möglicherweise wird sie bei den ersten Malen gar nicht bemerkt. Sie drängt nicht. Sie brüllt dich nicht an. Sie wartet einfach – insofern Stimmen das können, ist es eine Art glühen.

Das ist die Challenge: herausfinden, welche Stimme die deines ureigenen Selbst ist. Die anderen – sie beginnen zu schweigen, eine nach der anderen, wenn du anfängst, ihnen weniger Futter zu geben. Weniger Lärm. Weniger Reaktion. Weniger Input von außen.

Bis nur noch eine übrig ist. Mit diesem herauskristallisieren dieser einen Stimme entsteht gleichzeitig eine neue Challenge: wie du sie entdeckst musst du lernen ihr zu vertrauen-egal was dein Geist dazwischen plappert, egal was Freunde Verwandte Bekannte sagen!


Was ist „deine“ Stimme überhaupt?

Ich nenne sie nicht gerne „meine“ Stimme, weil das zu eng ist, zu klein, zu persönlich im falschen Sinne. Es ist die Stimme des Lebens. Die Stimme des Kosmos. Die Stimme des Bewusstseins, das durch diesen einen Körper, durch dieses eine Leben, durch mich hindurchschaut und sein Ausdruck sucht.

Klingt groß? Ist es auch! Aber das Verrückte ist – und das meine ich ernst – du musst das nicht erst „erkannt“ haben, um aufzuhören, ein Schaf zu sein. Schon jetzt, in dem Moment, wo du anfängst zu fragen, wo du anfängst hineinzuhören, bist du nicht mehr das Schaf.

Das Erwachen beginnt nicht mit einer großen Erleuchtung. Es beginnt mit einer Sekunde Stille, die du dir selbst erlaubst.


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